Mineralwolle wird von einem Mann und einer Frau als Zwischensparrendämmung an der Außenwand eines Tiny House angebracht

Tiny House Dämmungen im Vergleich

Tiny Houses haben einige besondere Ansprüche an die verwendeten Materialien, also stellt sich die Frage: Welche Tiny House Dämmung ist die richtige für dich? Wir vergleichen die üblichsten Materialien hinsichtlich ihrer Dämmleistung, dem Gewicht, der Kosten, der Nachhaltigkeit und dem Brandschutz.

Dämmung im Tiny House

Es gibt viele verschiedene Materialien, um ein Haus zu isolieren bzw. zu dämmen. Tiny House Dämmung hat spezielle Anforderungen, denn dieses soll nicht nur möglichst gute Dämmwerte aufweisen, sondern auch möglichst dünn und leicht sein. Die maximalen Außenmaße und das Gewicht sind ja bekanntlich sehr begrenzt, besonders bei einem mobilen Tiny House auf einem Anhänger.

Im Folgenden werden wir einige Dämmstoffe miteinander vergleichen. Die wichtigsten Eigenschaften sind dabei die Dicke, Dämmleistung (überraschend, oder 😁?), das Gewicht, der Preis, die Verarbeitung und die Nachhaltigkeit. Letzteres werde ich anhand von Eneuerbarkeit, Energieaufwand in der Herstellung und der biologischen Abbaubarkeit des Materials bewerten. Dieser Vergleich soll als Überblick dienen und erhebt natürlich keinen Anspruch auf absolute Wahrheit oder Vollständigkeit. 😉

Vergleich verschiedener Tiny House Dämmstoffe

Tabelle auf dem Smartphone am besten im Querformat betrachten.

Mineralwolle / Steinwolle - der Allrounder

Mehr als 60% der in Deutschland verbauten Dämmstoffe fallen in die Kategorie der Mineralwollen. Die große Beliebtheit liegt an der Kombination aus sehr guter Dämmleistung, günstigen Preisen und einfacher Verarbeitung. Steinwolle ist außerdem wasserabweisend und atmungsaktiv, was vor Feuchtigkeit und Schimmelbildung schützt und das Raumklima verbessern kann. Die synthetischen Fasern haben Schädlingen ebenfalls nichts zu bieten. Brandschutz ist für Mineralwollen ebenfalls kein Problem, da diese Dämmstoffe nicht brennbar sind (Brandschutzklasse A1). Gerade in einem Tiny House aus Holz ist dies eine wichtige Eigenschaft.

Der größte Nachteil von Mineral- bzw. Steinwolle ist deren Nachhaltigkeit. Der relativ hohe Energieaufwand in der Herstellung und die schlechte Recyclebarkeit sprechen in diesem Punkt eher für alternative Naturprodukte, die hier besser abschneiden. Außerdem verträgt Mineralwolle hohe und andauernde Feuchtigkeitsbelastungen nicht gut. Daher verbauen wir im Boden unserer Tiny Houses mittlerweile eine EPS Styropordämmung, die unempfindlich gegenüber Wasser ist.

Wir verwenden Mineralwolle standardmäßig in den Wänden und dem Dach unserer Tiny Houses. Auf Wunsch können in diesen Bauteilen aber auch andere Dämmmaterialen verwendet (Hanfdämmung, Holzfaserdämmung, Schafswolle). Zu diesen findest du unten weitere Informationen.

Installation der Mineralwolledämmung im Dachaufbau unseres Tiny House Shallot.

Hanfdämmung - ein interessantes Naturprodukt

Hanf hat aufgrund des gleichnamigen Suchtmittels einen schlechten Ruf, aber das ist völlig unbegründet. Dämmmaterialien aus Hanf haben eine gute Umweltbilanz, einen niedrigen Energiebedarf in der Herstellung und sind vollständig biologisch abbaubar. Das Material ist beim fachgerechtem Einbau resistent gegen Schimmel und Schädlinge haben an den Pflanzenfasern kein Interesse, da diese bitter schmecken und keine Eiweiße enthalten. Außerdem kann dieses Naturprodukt Wärme speichern, was das Aufheizen und Abkühlen des Hauses verzögert. Die Schalldämmung bei Hanfdämmung ist ebenfalls sehr gut.

Bei gleicher Dicke ist die Dämmleistung von Hanfdämmung einem synthetischen Dämmstoff wie Mineralwolle allerdings leider unterlegen, weswegen die Nutzung im Tiny House nicht uneingeschränkt zu empfehlen ist. Außerdem ist der Brandschutz eingeschränkt und nur durch den Zusatz von Flammschutzmitteln kann überhaupt die Brandschutzklasse B2 / Kategorie E erreicht werden, die für eine Zulassung als Dämmstoff nötig ist.

Schafwolledämmung - eine leichte und nachhaltige Lösung

Als einziger tierischer Dämmstoff bringt Schafwolle einige interessante Eigenschaften mit. Das Material ist als nachwachsender Rohstoff umweltfreundlich und nachhaltig. Schafwolle besteht aus hygroskopischen Fasern, was ihr erlaubt, bis zu 33% ihres Eigengewichts an Wasser aufzunehmen und später wieder abzugeben. In Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit ist dies vor allem bei normalen Häusern interessant. Bei der Wärmedämmung und dem Schallschutz zeigt sich Schafwolle als hervorragende Alternative zu herkömmlichen, synthetischen Dämmstoffen.

In seiner reinen Form ist das Material allerdings anfällig gegenüber Schädlingen und Verrottung. Um diese zu vermeiden werden bei der Herstellung Borsalze hinzugefügt, die die Kompostierbarkeit des Materials erschwert. Borsalze sind ebenfalls notwendig, um die Entflammbarkeit zu verringern und auch mit dieser Behandlung erreicht Schafwolle nur die Brandschutzklasse B2 „normal entflammbar“. In einem Tiny House aus Holz ist dies nicht die beste Eigenschaft, weswegen wir nur auf Anfrage Schafwolle als Dämmstoff für unsere Tiny Houses anbieten.

Ein Stück Schafwolledämmung im Querschnitt. Quelle: Lanaterm.com

Holzfaserdämmung - Wärmespeicher aus Altholz

Zur Herstellung von Holzfaserdämmstoffen werden Altholz und Holzabfälle verarbeitet. Hierfür können aus Abfällen der Industrie oder beispielsweise Sägewerken recyclet werden. Das Holz wird zerfasert, mit Wasser vermengt und zu Platten/Matten geformt. Nach dem Trocknen erhält man den fertigen Dämmstoff.

Holzfaserdämmung, mit seiner Wärmekapazität von bis zu 2100J pro Kubikmeter, bietet im Tiny House Vorteile, da ein geheiztes Haus im Winter mehr Wärme speichert. Im Sommer muss erst die Dämmung erwärmt werden, bevor die Wärme an den Innenraum des Hauses abgegeben wird. Die Matten sind leicht zu verarbeiten, bieten gute Dämmwerte und einen hervorragenden Schallschutz. Das Material ist außerdem diffusionsoffen und kann bis zu 20% des Eigengewichts an Wasser aufnehmen und später wieder abgeben.

Die hohe Wärmekapazität von Holzfaserdämmung wird u.a. durch die höhere Rohdichte von ca. 55kg/m³ erreicht. Damit ist eine 10cm dicke Dämmung mit Holzfaser knapp 50% schwerer, als eine vergleichbare Mineralwolledämmung mit ähnlicher Dämmleistung. Gerade für ein Tiny House auf einem Anhänger, wo das Gewicht immer eine zentrale Rolle spielt, ist diese Form der Dämmung mit Bedacht einzusetzen. Wir bieten diese Holzfaserdämmung für unsere Tiny Houses an, für sehr große Modelle ist diese somit weniger gut geeignet.

EPS Styropordämmung - einfach unverwüstlich

Ein mittlerweile sehr beliebter Dämmstoff ist Styropor. Von diesem synthetisch hergestellten Material gibt es einige verschiedene Varianten, wir beziehen uns hier auf expandiertes Polystyrol (EPS). Hierfür wird ein Granulat auf Polystyrol bei ca. 90°C aufgeschäumt und im Anschluss in Form gepresst. Diese wird in festen Platten verbaut, weswegen es sich nicht für bewegliche Bauteile eignet. Hier können durch Verzug Lücken entstehen, die als Wärmebrücken wirken können.

Die Vorteile von EPS als Tiny Houses Dämmung liegen in seiner Beständigkeit gegenüber Feuchtigkeit, der kostengünstige Preis, das geringe Gewicht und die trotzdem sehr gute Dämmleistung. Wir verbauen EPS im Bodenaufbau unserer Tiny Houses, da dort keine Flexibilität benötigt wird, die eher schwache Schalldämmung irrelevant ist und keine Atmungsaktivität des Materials notwendig ist. Zwar sollte man im Boden des Tiny Hauses niemals Feuchtigkeit haben, sollte aber sich doch einmal etwas Feuchtigkeit ansammeln, dann dämmt EPS auch feucht weiterhin perfekt. Außerdem ist das Material nicht anfällig für Schimmel oder Schädlingsbefall. Mit der Brandschutzklassifizierung B1 (schwer entflammbar) ist dieser Dämmstoff in einem Tiny House aus Holz eine gute Wahl.

Leider wird EPS in der Regel aus Erdölprodukten hergestellt und ist damit nicht biologisch abbaubar. Zwar kann altes Material in neue Platten recyclet werden, aber am Ende landet das Material meist auf der Deponie. Zwar liegt der Energieaufwand bei der Herstellung im Mittelfeld, biologisch abbaubar ist es leider nicht. Die fehlende Atmungsaktivität macht EPS ungeeignet in den Wänden eines Tiny House, diffusionsoffene Dämmstoffe wie Mineralwolle, Hanf- oder Holzfaserdämmung sind hier von Vorteil.

PUR Hartschaum - starke Dämmung mit vielen Möglichkeiten

Dämmplatten aus PUR Hartschaum bieten einige interessante Eigenschaften. PUR bietet eine sehr niedrige Wärmeleitfähigkeit und das bei relativ niedrigem Gewicht. Außerdem ist das Material mit seiner geschlossenen Zellstruktur unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit und nimmt kein Wasser auf. Daraus resultiert eine gute Schimmelresistenz. Die Hartschaumplatten sind außerdem druckresistent, können also auch in belasteten Bauteilen eingesetzt werden. Das Brandverhalten von PUR ist ebenfalls gut und ist in einigen Varianten sogar als Brandschutzriegel zugelassen. Außerdem können die stabilen Platten auch direkt auf die Außenfassade aufgebracht werden. In regulären Häusern werden diese dann nur verputzt und so kann ein Haus auch nachträglich isoliert werden.

Zu den Nachteilen von PUR gehört unter anderem die Herstellung, die auf Erdöl basiert und einen hohen Primärenergiebedarf in der Herstellung aufweist. Außerdem ist das Material um einiges teurer als andere Dämmstoffe wie Mineralwolle oder EPS Styropor. Die fehlende Atmungsaktivität des Materials macht die Verwendung in der Herstellung unserer Tiny Houses unmöglich, da unsere Häuser atmen sollen. Wenn man allerdings auf der Suche nach der maximalen Dämmleistung ist, wird mit PUR Platten u.U. das richtige Material gefunden haben.

ISUM MF 14 (M) Dämmfolien - ein ganz neuer Ansatz

Die High-Tech Folie ist ein neuer Dämmstoff, entwickelt von einem Unternehmen in Krefeld. Es handelt sich bei ISUM MF14 um eine nur 11,4mm dicke Dämmfolie. Diese ist als Unterspannbahn ISUM MF14M (diffusionsoffen) und als Dampfsperre ISUM MF14 (diffusionsgeschlossen) erhältlich. Die Dämmleistung des Materials wird hauptsächlich durch die Reflektion von Wärme in Form von Infrarotstrahlung erreicht. Reguläre Dämmstoffe (Volumen-Dämmstoffe) erzielen ihre Dämmleistung über eine geringe Wärmeleitung des Materials, welche von der Dicke des Materials abhängig ist. Daher muss ein regulärer Volumen-Dämmstoff wesentlich dicker sein, als die ISUM Dämmmatten. Der Schichtaufbau besteht aus sechs beidseitig metallisierten Polyesterfolien, getrennt durch zwei Lagen Polyestervlies und sechs Schichten Schaumstoff. Die 14 Lagen erreichen mit 25mm Einbauabstand zu angrenzenden Bauteilen eine Wärmereflexion von bis zu 96%.

Das neuartige Material kann in vielen Bereichen eingesetzt werden. Foto: Finck & Co

Im Tiny House können die Dämmfolien die Unterspannbahn und/oder die Dampfsperre ersetzen. In Kombination mit einem regulären Volumen-Dämmstoff kann ein gute Isolierung erreicht werden. Es gibt auch Hersteller, die die High-Tech-Matte mit einer PUR Dämmung kombinieren.

Ein Nachteil der Folien ist der relativ hohe Preis. Das Material ersetzt mit regulären Isolierfolien weit günstigere Materialien, was den Gesamtpreis des Tiny House erhöhen wird. Außerdem ist die ISUM Folie kein nachhaltiges Naturprodukt. Bisher gibt es zu diesem neuen Werkstoff außerdem wenig langfristige Erfahrungswerte, noch weniger im Bereich Tiny House. Daher bieten wir von tiny leben die Verwendung dieser Folie bisher nicht für unsere Häuser an. Wir werden uns das Material in Zukunft auch einmal genauer ansehen und wer weiß, vielleicht gibt es bald auch von uns Tiny Houses mit High-Tech-Folie. Diese ist zwar auf den ersten Blick nicht ökologisch, aber alleine die langfristige Energieeinsparung kann u.U. doch zu einem ökologischen Tiny House beitragen.

Das soll es für diesen Vergleich von Tiny House Dämmung erst einmal gewesen sein. Hoffentlich fandest du den Beitrag hilfreich und wir freuen uns sehr über jede Art der Rückmeldung von dir. Hast du noch Fragen? Willst du etwas loswerden? Schreibe gerne einen Kommentar hier unter den Beitrag oder melde dich direkt bei uns.

tiny Grüße

Jonas

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