Ein Schild vor einem Gebäude zeigt den Schriftzug Landratsamt

Tiny House Bauantrag #2 – Landratsamt

Sobald der Tiny House Bauantrag im Stadtrat genehmigt worden ist, wird dieser für weitere Prüfungen an das Landratsamt weitergeleitet. Hier berichten wir von unseren Erfahrungen mit dem dem Landratsamt Bamberg und was du bei deinem Antrag beachten solltest. Unsere Learnings: Beachte den Bebauungsplan genau und bleib beim Amt am Ball.

Prüfung des Tiny House Bauantrags im Landratsamt

Im ersten Teil dieses Beitrags berichten wir von unserer Erfahrung mit dem Erstellen des Bauantrags und der Bearbeitung dessen im Bauamt und -ausschuss des Stadtrats der Gemeinde. Wenn du diesen noch nicht gelesen hast, du findest den Beitrag hier. Mit der Genehmigung durch die Gemeinde ist man aber noch nicht fertig, denn das zuständige Landratsamt muss den Bauantrag ebenfalls prüfen.

Der Stadtrat der Gemeinde prüft das beantragte Bauvorhaben in Hinsicht auf die lokalen Gegebenheiten. Wird der herrschende Bebaungs- oder Flächennutzungsplan eingehalten? Passt das Bauvorhaben in das Stadtbild? Wie wirkt sich das Bauvorhaben auf das gesellschaftliche Zusammenleben aus? Während der Sitzung, in dem unser Antrag geprüft wurde, wurde beispielsweise ein Antrag abgelehnt, weil zu viele Parkplatzeinfahrten die Kinder auf dem Weg zur nahegelegenen Schule gefährden würden.

Das Landratsamt hingegen prüft das beantragte Bauvorhaben eher hinsichtlich technischer Aspekte. Hier werden Themen wie die Statik, Brandschutz oder Energieeffizienz beurteilt. Offiziell benötigt beispielsweise jedes Wohngebäude einen Nachweis zur Einhaltung der Energiesparverordnung EnEv. Auf diese gehen wir hier im Beitrag auch noch genauer ein.

Unsere Erfahrung mit dem Landratsamt Bamberg

Vor dem Einreichen unseres Antrags wurde uns vom Bauamt mitgeteilt, dass Anträge meist zwischen sechs und acht Wochen in der Prüfung brauchen würden. Dies sollte die Gemeinde und das Landratsamt umfassen. Nachdem unser Antrag in der Gemeinde angenommen war, glaubten wir unseren Antrag als im Landratsamt eingegangen. Nach drei Wochen hatten wir noch immer keine Rückmeldung erhalten, also haben wir beim Landratsamt angerufen. Dort hatte bis dato niemand von unserem Antrag gehört und nach einiger Verwirrung und Suchen der Mitarbeiter tauchte unser Antrag doch noch auf.

Weitere vier Wochen später kontaktierten wir unsere Sachbearbeiterin und erkundigten uns nach dem aktuellen Stand. Sie wies uns darauf hin, dass wir bisher nur Antrag auf Abweichung der Dachneigung vom Bebauungsplan beantragt hätten und dass wir ja auch eine Abweichung von der Dachform beantragen müssten. Der Plan forderte ein mindestens 32° geneigtes Satteldach, unser Haus hat ein 6° geneigtes Pultdach. Zum Beheben dieses Missstands sendeten sie uns unsere Bauantragsmappe zurück mit der offiziellen Aufforderung zum Nachreichen der fehlenden Unterlagen. Diese erstellte unser Architekt umgehend und wir schickten diese ein. Unser Brief lag direkt erst einmal eine Woche, weil unsere Sachbearbeiterin im Urlaub war. Außerdem hatten wir die besagte Bauantragsmappe nicht mit zurückgeschickt (wobei darauf auch niemals hingewiesen wurde) und so verzögerte sich die Bearbeitung unseres Antrags um weitere zwei Wochen. Ende August hatten wir den Antrag eingereicht und Anfang November konnte dieser endlich vollständig bearbeitet werden.

Von da an brauchte das Landratsamt weitere fünf Wochen, bis uns der Bescheid zur Genehmigung unseres Antrags zugestellt wurde. Letztlich hat der gesamte Prozess von der Einreichung unseres Antrags bis zur Genehmigung sage und schreibe 15 (!!) Wochen gedauert. Ich möchte mich hier nicht über das langsame Arbeiten und den schlechten Service des Landratsamts beschweren. Gute deutsche Bürokratie und Gründlichkeit brauchen nun einmal Zeit. Die aktuelle Covid-19 Pandemie hat sicher auch nicht geholfen, den Prozess zu beschleunigen.

Ich berichte hier von unseren Erfahrungen, damit du diese Schwierigkeiten frühzeitig verhindern kannst. Im Folgenden führe ich einige Lektionen auf, die wir gelernt haben.

 

Learning #1: Studiere den herrschenden Bebauungsplan genau

Vergleiche die herrschenden Vorgaben mit den Merkmalen deines Tiny Houses genau. Sollte dein Tiny House noch in der Planung sein, versuche möglichst viele Aspekte des Bebauungsplans mit deinem Haus zu erfüllen. Ja, man kann zwar eine isolierte Befreiung von vielen Vorgaben beantragen, aber einerseits kostet jeder Antrag auf isolierte Befreiung zusätzlich Geld (jeweils 75€ pro Antrag in unserem Fall) und mit steigender Anzahl an Abweichungen passt das Tiny House immer weniger zum herrschenden Stadtbild, was sich negativ auf die Genehmigung durch die Behörden auswirken könnte. Wir haben Glück, unsere Gemeinde ist Tiny Houses gegenüber sehr offen und die Abweichungen wurden alle genehmigt.

Einige Kunden haben aber auch von weniger Begeisterung der Bürokraten gegenüber Tiny Houses berichtet. In diesem Fall bringen weniger Abweichungen sicher einen Vorteil. Wenn man die herrschenden Vorgaben also bereits in der Planung des Hauses mit einbezieht, ist das sicherlich hilfreich. Wie bereits in unserem Beitrag zur Frage, ob man erst das Haus kaufen oder erst das Grundstück organisieren soll, erörtert, hier zahlt es sich aus, beide Prozesse gleichzeitig zu durchlaufen.

Beim Erstellen des Bauantrags sollte man nach genauen Studiums und in Rücksprache mit dem Architekten also möglichst direkt Antrag auf isolierte Befreiung für alle notwendigen Abweichungen beantragen. Das Nachliefern fehlender Unterlagen kann den gesamten Prozess schnell um einige Wochen verlängern. Das spart Zeit und Nerven. 😉

Learning #2: Frage nach und sei ein wenig nervig

Im ersten Brief des Landratsamts weisen sie darauf hin, dass man davon absehen soll, sie bezüglich des Antrags zu kontaktieren. Der Bauantrag für unser Tiny House war innerhalb von drei Wochen nicht einmal im System des Landratsamt angekommen. Das fiel auf, als wir das erste Mal telefonisch nach dem aktuellen Stand gefragt haben. Eine Mitarbeiterin machte sich auf die Suche nach unserem Antrag und rief einige Stunden später zurück, dass sie ihn doch noch finden konnten.

Ohne Nachfragen und proaktives Erkundigen hätte unser eh schon langer Prozess noch viel länger gedauert. Daher empfehlen wir, dass man vor und nach Eingang des Antrags beim Amt dran bleibt. Wir melden uns aktuell mindestens alle zwei Wochen bei unserer Sachbearbeiterin und erkundigen uns nach dem aktuellen Stand. Euer Erfolg mit dieser Methode hängt sicherlich von eurem Landratsamt ab, allerdings sind wir für unsere Nachdrücklichkeit auch noch nicht kritisiert worden.

 

Das Amt hat ein Monopol auf die Prüfung dieser Anträge, hat also keinen Druck, guten Service zu bieten. Jede normale Firma wäre mit diesem Ansatz in kürzester Zeit pleite. Dabei erwarten wir auch keinen erstklassigen Service, aber wenigstens ein gefühlt sorgfältige Bearbeitung des eigenen Antrags. Hoffentlich läuft es bei euch besser, bleibt aber besser trotzdem am Ball und erkundigt euch nach eurem Antrag. So könnt ihr schneller auf Probleme reagieren, euren Prozess beschleunigen und schneller ins eigene Tiny House einziehen.

 

Wir hoffen, dass unsere Erfahrungen hilfreich für euch sind. Bei Fragen oder Anmerkungen, schreibe gerne einen Kommentar unter diesen Beitrag oder kontaktiere uns direkt.

tiny Grüße

Jonas

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