Innenraum eines Tiny House mit Holzofen, Küchenzeile und Leiter

Heizung im Tiny House – Vergleich verschiedener Heizsysteme

Ob Holzofen, Gasheizung oder Fußbodenheizung, es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, ein Tiny House zu beheizen. Was sind die Vorteile? Was passt zu mir? Wir vergleichen die gängigsten Systeme für dich.

Auf unserem Weg zum eigenen Tiny House haben wir uns natürlich auch über die Heizung Gedanken gemacht und sind mit unserem Hersteller bei einer elektrischen Fußbodenheizung gelandet. Die verlegten Elemente in unserem Haus haben ungefähr eine maximale Leistung von 1700W und sind unter den freien Bodenflächen verlegt.

Im Anschluss stellen wir euch einmal einige übliche Methoden zur Heizung im Tiny House in einer Tabelle mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen vor. Diese erhebt dabei natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten für die Heizung im Tiny House. Sollte dir eine Heizmethode fehlen, solltest du Fragen oder ergänzende Punkte haben, lass es uns gerne wissen. Teile dein Wissen in einem Kommentar unter diesem Beitrag oder schreibe uns eine Nachricht und wir nehmen deine Infos gerne mit auf.

Unterhalb der Tabelle beschreiben wir außerdem jede der genannten Methoden noch einmal in Fließtext.

Vergleich verschiedener Heizungen im Tiny House

Tabelle auf dem Smartphone am besten im Querformat betrachten.

Heizung Vorteile Nachteile

Holzofen

+ hohe Heizleistung
+ gemütliches Raumklima
+ nutzt erneuerbare Ressourcen
+ erlaubt autarkes Wohnen ohne Anschluss an das Stromnetz

- braucht viel Platz (s. Abbildung 1)
- schlecht regulierbar
- hohes Gewicht
- Holzbeschaffung
- in kleinen Raum schnell zu warm
- Brandrisiko
- Feinstaubbelastung der Umwelt
- Betriebserlaubnis durch Bezirksschornsteinfeger nötig
- externe Luftzufuhr nötig

Gasheizung

+ platzsparend
+ hohe Heizleistung
+ regulierbar
+ bestimmte Modelle für Heizung und Warmwasser verwendbar
+ erlaubt autarkes Wohnen ohne Anschluss an das Stromnetz

- Gasanschluss oder regelmäßiger Wechsel von Gasflaschen nötig
- physischer Heizkörper benötigt Platz

Infrarot-
heizung

+ platzsparend an der Wand montierbar
+ regulierbar
+ Strahlungswärme ist angenehm auf der Haut (ähnlich Sonnenstrahlen)

- hoher Stromverbrauch
- Tendenz zu "Hot Spots", wo die Heizung angebracht ist
- mehrere Geräte benötigt, um alle Bereiche des Hauses abdecken zu können

Fußboden-
heizung,
elektrisch

+ platzsparend, da unter dem Fußboden verlegt
+ regulierbar
+ warme Füße bei tendenziell kaltem Fußboden (Luft unter dem Haus und wenig thermische Speichermasse)
+ mit warmen Füßen kann die Lufttemperatur bis zu 2°C niedriger sein

- hoher Stromverbrauch
- Position der Möbel ist nach Verlegen der Heizmatten nicht mehr flexibel
- unvorsichtiges Bohren oder Schrauben in den Boden kann Heizmatten beschädigen

Pelletofen

+ regulierbar
+ angenehmes Raumklima
+ hoher Wirkungsgrad

- braucht viel Platz (s. Abbildung 1)
- Brandrisiko
- Betriebserlaubnis durch Bezirksschornsteinfeger nötig
- oftmals für größere Räume ausgelegt

 Abbildung 1:

Mindestabstände für Holzöfen in Deutschland, Österreich und Schweiz: A, B, E = 20cm, D = 80cm, C = 50cm
(Quelle: „Tiny House – Das große Praxisbuch“, Seite 210, Autor: Kevin Rechsteiner, AT Verlag)

 Holzofen im Tiny House – Romantisch, aber einige Nachteile

Die Behaglichkeit eines offenen Feuers kann wohl keiner bestreiten. Das macht auch den großen Charme eines Holzofens aus, allerdings hat dieser auch einige gravierende Nachteile. Mit dem beschränkten Raum im Tiny House wiegt der Platz, den ein Holzofen benötigt, am schwersten. Gleichzeitig ist es schwierig, die Hitze zu regulieren und sobald der Holzofen richtig heiß ist, wird es schnell zu warm. Dann öffnet man ein Fenster und heizt so die Umwelt mit.

Das hohe Gewicht des Ofens, das erhöhte Brandrisiko, die Feinstaubbelastung der Umwelt und die Notwendigkeit eines Schornsteins und einer Frischluftzufuhr sprechen zusätzlich gegen das Heizen mit einem Holzofen. Wenn man allerdings möglichst autark leben möchte und vielleicht sogar selbst eine direkte Bezugsquelle für Brennholz hat, wird ein Holzofen auch wieder interessant. Oder das Prasseln und Knistern eines Holzfeuers übertrumpft für dich alle negativen Aspekte, wer weiß. 

Ein Holzofen sorgt für ein wohliges Raumklima, aber kommt auch mit einigen Nachteilen daher.

Heizen mit Gas im Tiny House – Wenn Flexibilität entscheidet!

Im Campingbereich ist das Heizen mit Gas schon lange verbreitet und erfreut sich großer Beliebtheit. Die örtliche Unabhängigkeit und die Möglichkeit des autarken Lebens sind hier zentral. Dadurch liegt auch die Nutzung einer Gasheizung im Tiny House nahe. Hier lassen sich Warmwassererzeugung und Heizung mit einigen Geräten direkt kombinieren. Auch ein Kochen mit Gas ist möglich oder ein Kühlschrank kann damit betrieben werden. Die Flexibilität ist hier der große Vorteil.

Der große Knackpunkt der Nutzung von Gas ist die Gasversorgung. Für ein Tiny House, das viel bewegt werden soll, ist es sicher eine gute Möglichkeit. Für ein eher stationäres Haus bieten sich einige Nachteile. Bei der Nutzung von Gasflaschen muss man gerade im Winter sehr häufig die Flaschen wechseln, was einen extra Aufwand bedeutet. Die Versorgung über das Gasnetz ist möglich, führt aber beim Verlegen der Anschlüsse zu zusätzlichen Kosten und schränkt die Wahl der möglichen Grundstücke ein. Diese Kosten würden bei jedem Grundstückswechsel erneut anfallen. Ein Punkt, den man bedenken sollte, wenn man in Zukunft womöglich mit dem Tiny House umziehen möchte.

Ein Thermostat im Tiny House steuert die verschiedenen elektronisch regulierbaren Heizsysteme. Einige bieten sogar eine Integration in das Smart Home System und sind so per Smartphone steuerbar.

Infrarotheizung im Tiny House – Eher als Zusatz geeignet 

Die Nutzung einer Infrarotheizung im Tiny House ist eine interessante Option, da sich die Panels einfach und dezent an Wand und Decke montieren lassen. Die Infrarotstrahlung gibt ein angenehmes Gefühl auf der Haut, ähnlich direkten Sonnenlichts. Man kann bewusst einzelne Bereiche des Hauses gezielt beheizen. Allerdings kann es so zu „Hot Spots“ kommen, bei denen einzelne Teile des Hauses angenehm warm und andere eher kühl sind. Eine gleichmäßige Beheizung aller Bereiche im Tiny House bedeutet die Platzierung mehrerer Geräte.

Den Stromverbrauch darf man hier natürlich auch nicht vergessen, große Geräte können schnell mehrere hundert Watt verbrauchen. Die genannten Punkte bedeuten für uns, dass eine Infrarotheizung im Tiny House eher als Teil des Heizungskonzepts in Kombination mit anderen Möglichkeiten gesehen werden sollte. Beispielsweise eine Infrarotheizung im Badezimmer könnte einen Holzofen für die Beheizung des restlichen Hauses ergänzen.

 

Elektrische Fußbodenheizung im Tiny House –

Warme Füße und platzsparend

Auch im herkömmlichen Hausbau erfreuen sich Fußbodenheizungen immer größerer Beliebtheit. Vorbei sind die Zeiten von kalten Füßen und unansehnlichen Heizkörpern. Bei Tiny Houses bedeutet der zweite Aspekt nicht nur einen optischen Vorteil. Die relative Platzersparnis ohne Heizkörper ist auf so kleinem Raum noch viel größer. Mit warmen Füßen muss auch die Lufttemperatur weniger hoch sein, um ein angenehmes Raumklima zu erreichen. Das kann helfen Strom zu sparen, wobei der Stromverbrauch immer der größte Nachteil einer elektrischen Fußbodenheizung bleiben wird. Trotzdem halten wir diese für die beste Heizung im Tiny House.

Die Heizmatten werden direkt unter dem Laminatboden verlegt und sind so völlig unsichtbar und aus dem Weg. Man kann diese genau an die Stellen verlegen, die später nicht von Möbeln bedeckt sein werden. Es werden also wirklich nur die gewünschten Bereiche beheizt. Dies bedeutet aber natürlich auch, dass nach der Installation weniger flexibel im Haus umgeräumt werden kann, weil man dabei leicht beheizte Stellen bedeckt. Beim Verlegen muss man sehr präzise dokumentieren, wo genau die Elemente der elektrischen Fußbodenheizung liegen. Ansonsten läuft man beim Schrauben oder Bohren in den Boden Gefahr, die einzelnen Elemente zu beschädigen. In unserem Haus ist der „Hot Film“ eines Koreanischen Herstellers verlegt.

Installation von elektrischen Heizmatten als Fußbodenheizung in einem Tiny House

In unserem eigenen Tiny House „Shallot“ werden Heizmatten für die elektrische Fußbodenheizung verlegt.

Pelletofen im Tiny House – Der „coole“ Bruder des Holzofens

Die moderne Version des klassischen Holzofens ist der mittlerweile sehr beliebte Pelletofen. Die Öfen verheizen kleine Pellets aus geprässten Holzabfällen und sind elektrisch gesteuert. Es wird immer nur eine kleine Menge an Pellets verbrannt, wodurch man die Temperatur relativ präzise regulieren kann. Man erhält ein Holzfeuer ohne einige der Nachteile eines Holzofens. Allerdings benötigt ein Pelletofen auch relativ viel Sicherheitsabstand zur Wand und zu umstehenden Möbeln. Ein Schornstein und eine Luftzufuhr von außen müssen ebenfalls vorhanden sein.

Viele herkömmliche Modelle sind bisher tendenziell überdimensioniert für Tiny Houses, allerdings gibt es auch hier schon Optionen. Der Pelletofen „Tiny Heating II“ von unseren Kollegen von Rolling Tiny House scheint eine interessante Möglichkeit zu sein, wenn man sein Tiny House gerne mit einem Pelletofen beheizen möchte.


Ich hoffe, dass unsere kleine Gegenüberstellung hilfreich für dich ist. Bei Fragen, Unklarheiten oder Anmerkungen zu den Inhalten dieses Beitrags, melde dich! Schreibe entweder unten einen Kommentar oder schicke uns eine Nachricht. Wir freuen uns, von dir zu hören.

tiny Grüße

Jonas

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